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Marienburg - auf den Spuren der Kreuzritter

die größte mittelalterliche Klosterfestung...

Die Geschichte der Marienburg (heute Burg Malbork) ist eng mit der Geschichte des Deutschen Ordens verbunden. Seit 1280 war die Marienburg dessen Konventsitz, im 14. und 15. Jahrhundert residierte hier der Großmeister.
Der im ausgehenden 12. Jahrhundert als Krankenpflegeorden gegründete Glaubensbund verdankte seinen politischen Aufstieg Friedrich II., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Für den militärischen Beistand gegen die heidnischen Pruzzen sicherte der Kaiser dem Orden weitgehende politische Selbständigkeit zu. So wurde dieser Kreuzritterorden zu einem Staat im Staate.
Die Marienburg, sie gilt als die größte mittelalterliche Klosterfestung, war für Polen jahrhundertelang der Inbegriff des deutschen Drangs nach Osten. In seiner über 700-jährigen Geschichte wurde die Marienburg ständig umgebaut und vergrößert. Sie wurde mehrmals zerstört, geplündert und immer wieder aufgebaut und renoviert, von Polen und Deutschen.
Die riesige Wehranlage beherbergt heute ein Museum, das sich mit der Geschichte des Deutschen Ordens sowie dem mittelalterlichen Handel und Geldwesen befasst. Der Film von Janusz Plonski erzählt, ausgehend von der Schlacht bei Tannenberg 1410, mit ihr begann der Niedergang des Deutschen Ordens, die Geschichte der Burg. Dabei erfahren wir auch interessante Details. So finden sich im Kapitelsaal zwei unauffällige Öffnungen in der Wand. Durch diese drang aus der benachbarten Marienkirche Orgelmusik, so konnte keiner die Gespräche belauschen. Die Fußbodenheizung widerum diente auch dazu, andere Unterhaltungen mit hören zu können.
Wie kaum ein anderer Ort spiegelt Marienburg die deutsch-polnische Geschichte. Hier liegen die Wurzeln der Konflikte beider Nationen, welche auch die spätere Geschichte geprägt haben.
Das Schloss - ein einzigartiges Beispiel gotischer Baukunst in einem Land, das einst Preußen hieß. 1230 holte Herzog Konrad von Masowien diesen Mann nach Polen. Hermann von Salza, Hochmeister. Mit dem Segen des Papstes gründeten die Deutschritter einen eigenen Ordensstaat. 1309 wurde Marienburg dessen Hauptstadt. Polen und Litauen fühlten sich so bedroht, dass sie sich zu einer Union zusammen schlossen. Gemeinsam konnten sie sich nun dem kriegerischen Orden entgegenstellen. 1410 kam es dann zur größten Schlacht des Mittelalters, der Schlacht bei Tannenberg. 100.000 Männer kämpften auf beiden Seiten. König Jagiello führte polnisch-litauische Einheiten an. An seiner Seite kämpften auch Tschechen, Russen und Tataren. Ihm gegenüber standen die Truppen des Deutschen Ordens unter dem Kommando von Hochmeister Ulrich von Jungingen. Sie wurden von Rittern aus Frankreich, Dänemark und anderen westeuropäischen Reichen unterstützt. Die Schlacht endete mit einer verheerenden Niederlage des Deutschen Ordens. Hochmeister Ulrich von Jungingen war tot und wurde von seinen Rittern auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Die geschlagenen Truppen flohen in die nahgelegene Marienburg. Die Burg war Kloster und militärischer Stützpunkt. Das zeigt sich auch in der Architektur. 14 Tore musste jeder Besucher passieren, bevor er in das Innere der Anlage gelangte. Ein dreifacher Mauerring schützte die Burg vor Belagerungen. Notfalls konnten sich die Verteidiger hinter den nächsten Ring zurückziehen.
Jeder Teil der Anlage verfügte über eine Wasserversorgung, ein Munitionsdepot und Vorräten für mehrere Monate. Von außen abwehrend und streng, ist die Burg in ihrem Inneren ein Meisterwerk gotischer Baukunst. Der Kapitelsaal war der wichtigste Raum im Kloster. Auch im Winter - dafür sorgte die ausgeklügelte Fußbodenheizung. Durch diese konnten die Versammlungen aber auch belauscht werden. Um das zu verhindern, ließen die Ordensbrüder in der daneben liegenden Klosterkirche ständig Orgelmusik spielen. So die Legende. Eine andere Legende spricht von den Toiletten, die angeblich auch der Beseitigung der in Ungnade Gefallenen dienten. Sie befanden sich im Dansker Turm, der westlichen Bastion der Burg. Der Turm war mit dem Schloss über einen 60 Meter langen Gang verbunden. Das Hochschloss ist der älteste Teil der Marienburg. Darin befanden sich Konventsräume, die über einen Kreuzgang, der rund um den Hof lief, erreichbar waren. In die Kirche gelangt man durch die Goldene Pforte. Sie ist der einzige Teil der Burg, der noch aus dem 13. Jahrhundert stammt.
Das Portal wurde, wie in dieser Zeit üblich, mit Szenen des Jüngsten Gerichts verziert, darunter auch das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen. Das Schloss hat im Laufe seiner 600-jährigen Geschichte oft den Besitzer gewechselt: Deutscher Ritterorden, polnische Könige, und nach der Teilung Polens 1772, die Preußen. Immer wieder wurde die Anlage umgebaut und erweitert. So diente sie unter anderem auch als Weberei und als Schießübungsplatz fürs preußische Militär. Wasser fließt längst nicht mehr im Wassergraben. Die Zugbrücke verbindet aber immer noch Hoch- und Mittelschloss. Als Marienburg 1309 zur Hauptstadt des Ordensstaates ernannt wurde, wurde das Mittelschloss erweitert; seitdem ist dort der Palast des Hochmeisters. Die hohe Diele führt zum sogenannten Sommerremter, er wurde als Refektorium (Speisesaal) benutzt und ist der eindrucksvollste Raum der Anlage. Das Kreuzgewölbe ruht auf einer einzigen schlanken Marmorsäule; die Spitzbogenfenster mit dem eigens dafür angefertigten Buntglas verleihen dem Saal eine heitere Eleganz. Von den Fresken, die hohe Würdenträger des Ordens darstellen, sind nur wenige erhalten geblieben. Die in einer Wand steckende Kanonenkugel soll von einem Mordanschlag auf den Hochmeister stammen. Der polnische König, heißt es, habe diese Kugel persönlich abgefeuert. Das Attentat ist nicht gelungen, ebenso wenig die Belagerung. Auch im Palast: das Schlafzimmer des Hochmeisters, gleich daneben die Garderobe. Um Baumaterial für eine Kaserne zu gewinnen wollten die Preußen das Schloss abreißen. Allein - es war zu teuer. Die Burg jedoch wurde verwüstet. In vielen Räumen wurden die gotischen Gewölbe eingerissen und zusätzliche Stockwerke eingebaut. Erst am Anfang des 19. Jahrhunderts erkannte man den historischen Wert der Burg, die sich in einem katastrophalen Zustand befand. Die preußische Regierung stellte sie unter Denkmalschutz. Einhundert Jahre dauerte die Rekonstruktion des Marienburg. Vor allem der Architekt und Konservator Conrad Steinbrecht engagierte sich für den Wiederaufbau. 1945 gab es dann keine Rettung. Deutsche Truppen benutzten die Marienburg als Festung. Zwei Monate wurden sie von der Roten Armee mit schwerer Artillerie beschossen. Vor ihrem Rückzug plünderten die Deutschen die komplette Einrichtung der Burg. Später schafften die Russen dann noch einmal sechs Eisenbahnwaggons mit Beutegut fort. Der erneute Wiederaufbau aus Ruinen grenzt an das Unmögliche. Mühsam gehen die Arbeiten der Konservatoren voran. Stets mangelt es am Geld. Zudem fehlen viele notwendige Dokumentationen und so müssen die Restauratoren, wie Conrad Steinbrecht im 19. Jahrhundert, oft intuitiv entscheiden. Heute sind es polnische Wissenschaftler, die sich für die Rekonstruktion der einstmals deutschen Burg einsetzen. Eine Ironie der Geschichte.

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